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Eiserne Columbia-Presse um 1824. Verziert mit dem Wappentier der Buchdrucker, dem Greif.
Eiserne Columbia-Presse um 1824. Verziert mit dem Wappentier der Buchdrucker, dem Greif.

Das 19. Jahrhundert

Die fortschreitende Industrialisierung und Mechanisierung der Arbeitswelt spiegelte sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts auch im Buch- und Druckgewerbe. Die handwerklich ausgeübten Tätigkeiten wurden leichter. Diese Entwicklung brachte gewaltige Produktionssteigerungen mit sich, die wiederum mit einem deutlich höheren Informationsbedürfnis der Gesellschaft einhergingen.

Die Epoche der eisernen Druckerpressen

Zunächst hatte man durch Materialverbesserungen versucht, die menschliche Kraft effektiver zu nutzen. Um 1780 hatte der Schweizer Wilhelm Haas bereits eine eiserne Druckerpresse in der Art einer Münzprägepresse mit steinernem Unterbau konstruiert, dann gelang dem englischen Ingenieur Walter um 1800 erstmals der Bau einer vollgußeisernen Handpresse. Diese neuartige Pressenkonstruktion, welche nach ihrem Initiator und Förderer, dem englischen Lord Charles Stanhope, benannt wurde, erlaubte es, den flachen Drucktiegel in doppelter Größe auszulegen. Dadurch konnten bei vergleichsweise geringem Kraftaufwand und deutlich stärkerem Anpreßdruck auch größere Formate mit einem einzigen Bengelzug abgedruckt werden. Daneben ließen sich in Eisen kompliziertere, wirksamere Hebelsysteme für die Druckerpressen konstruieren, als dies in Holz möglich gewesen wäre.
Ein ebenso schönes wie dekoratives Beispiel dieser Hebelpressen stellt die Columbia-Presse des Amerikaners George Clymer dar, welche seit 1817 auch in England nachgebaut wurde. Das Exemplar des Gutenberg-Museums ist jedoch erst im Jahre 1824 von der Zorger Eisenhütte im Auftrag des Braunschweiger Verlegers Vieweg angefertigt worden. Es besticht vor allem durch seine reiche Dekoration – das Gegengewicht auf dem oberen Preßbaum ist als Greif mit zwei Drukkerballen, dem Wappentier der Buchdruckerzunft, gestaltet.
Andere Pressen verdienen wegen ihrer raffinierten Kraftübertragung durch sogenannte Kniehebel Beachtung. Diese sollten diesem Pressentyp ihren Namen geben: Kniehebelpresse. Zwei dieser Kniehebelpressen der Firma Dingler von 1834 und 1840 sind ausgestellt.
Trotz ihrer verbesserten, robusteren Bauweise basierten die eisernen Handpressen noch immer auf dem bereits von Gutenberg angewandten Druckprinzip eines flachen Tiegels, der auf die ebenfalls flache Druckform wirkt.

Maschinen für den schnellen Druck

Automatische Zylinderpresse von König um 1814.
Automatische Zylinderpresse von König um 1814.

Nur wenig später als eiserne Handpressen wurden die ersten Druckmaschinen gebaut. Bereits 1811 wurde den beiden deutschen Konstrukteuren Friedrich König und Andreas Bauer ihre dampfgetriebene Zylinder/Flachform-Schnellpresse in England patentiert, deren Farbzufuhr und -auftrag auf die flache Druckform bereits vollständig mechanisiert waren. Lediglich die Papierbogen mußten weiterhin von Hand angelegt werden.
Im folgenden Jahr konnten König und Bauer ihre Konstruktion zu einer Doppelzylindermaschine weiterentwikkeln, von der im November 1814 in einer einzigen Nacht die gesamte Auflage der Londoner »Times« gedruckt wurde – das abgebildete Modell dieser Presse im Maßstab 1/2 ist ebenfalls in den Räumen des Museums zu sehen. Eine von König und Bauer geschaffene Schön- und Widerdruck-Schnellpresse war 1814 bereits in der Lage, durch einen speziellen Bogen-Umwendemechanismus Vorder- und Rückseite in einem Arbeitsgang zu bedrucken. In kürzester Zeit konnten nunmehr hohe Auflagen gedruckt werden, was die Schnellpressen vornehmlich für die Herstellung von Zeitungen, Zeitschriften oder aber Lexika geeignet machte.

Stereotypie
Eine zusätzliche Steigerung der Auflagen bzw. der Druckgeschwindigkeit war durch das Verfahren der Stereotypie noch in der ersten Hälfte des Jahrhunderts möglich geworden. Hierbei wurde der Satz eines Druckwerkes durch Abformung zunächst in Gips (1804), dann in Papier (1829) konserviert und bei Bedarf mehrfach nachgegossen, während die ursprünglich für den Satz benötigten Lettern in der Zwischenzeit für andere Werke wiederverwendet wurden. Der Vorteil der Stereotypie lag neben der beachtlichen Kostenersparnis in der Möglichkeit, aus gebogenen Papiermatern nunmehr auch zylindrische Druckformen herstellen zu können.

Dieses Verfahren legte die Grundlage zur Entwicklung eines weiteren Druckprinzips (zylindrische Druckform und Gegendruckzylinder), welches der Amerikaner William Bullock mit seiner 1865 konstruierten Rollenrotationsmaschine verwirklichte und das bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts für den Buch- und Zeitungsdruck richtungsweisend bleiben sollte.

Die Stereotypie war indes nur eine Methode, dem enormen Bedarf an Einzellettern zu begegnen.

Gießmaschinen
Seit 1822 gelang es mit Handgießpumpen sowie ersten Gießmaschinen, den Letternguß zu beschleunigen, und schon 1862 spuckten die ersten Komplettgießmaschinen bis zu 40.000 druckfertige Einzeltypen pro Tag aus (die 10fache Leistung eines Handgießgerätes), die nicht einmal mehr der mühsamen manuellen Nachbearbeitung bedurften (Beispiel im Tiefgeschoß).

Die große Herausforderung: Setzmaschinen
Die zeitraubende Handarbeit des Setzers widersetzte sich dagegen hartnäckig allen Versuchen einer Mechanisierung. Erst gegen Ende des Jahrhunderts (1886) gelangte Ottmar Mergenthaler mit der kombinierten Zeilen-Setz- und Gießmaschine, der Linotype (= a line of types), zu einer praktikablen und vor allem finanzierbaren Lösung.

Im Gutenberg-Museum kann die technisch faszinierende Linotype Mergenthalers in zwei verschiedenen Exemplaren im Tiefgeschoß besichtigt und bei Bedarf auch vorgeführt werden.

Papierfabrik im 19. Jh.
Papierfabrik im 19. Jh.

Papier von der Rolle
Dieser enorme Ausstoß an Druckerzeugnissen gegen Mitte des 19. Jahrhunderts war letztlich nur durch entsprechende Fortschritte auf dem Gebiet der Papierherstellung zu bewältigen.
Schon 1799 war dem Franzosen Nicolaus Louis Robert mit seiner Langsiebmaschine (im Erweiterungsbau des Museums) gelungen, prinzipiell eine endlos lange Bahn aus Papier herzustellen, das jedoch noch immer aus den nur begrenzt zur Verfügung stehenden Leinenlumpen gewonnen wurde.

Erst die Erfindungen des Holzschliffs durch Friedrich Gottlob Keller (1840) sowie der Herstellung des Papiers aus Zellstoff durch die Engländer Hugo Burgess und Charles Watt (1851) erschlossen eine brauchbare materielle Alternative, den hohen Papierbedarf der Druckindustrie verläßlich abzudecken.

Neue Illustrationstechniken
Auch im Bereich der Buch- und Zeitschriftenillustration setzten sich im Verlauf des 19. Jahrhunderts neue Techniken durch. Der Holzstich, aus dem harten Hirnholz des Buchsbaumes gefertigt, konnte als hochdruckende Technik mit dem Satz zusammen gedruckt werden. Daneben gewann für den Notendruck und künstlerische Vorlagen die Lithographie als Flachdrucktechnik an Bedeutung, die Alois Senefelder bereits 1797 erfunden hatte. Sie empfahl sich besonders durch ihre originalgetreue Wiedergabe der Vorlagen. Für sehr hohe Auflagen benötigte man dagegen eine robuste, belastbare Druckform. Hier erwies sich der Stahlstich als besonders geeignetes Reproduktionsverfahren, der um 1800 zunächst für die fälschungssichere Herstellung von Banknoten entwickelt worden war, seit 1820 aber auch in der Buchillustration vor allem für Stadtansichten und Kunstreproduktionen Verwendung fand.

Der Bucheinband als Massenware
Die Buchbinderei, gleichsam das letzte Glied in der Herstellung eines Buches, wurde ab etwa 1850 mechanisiert. Statt individuell gestalteter Auftragsarbeiten in Pergament oder Leder fertigten nun Großbuchbindereien für die ganze Auflage eines Werkes einheitliche Verlegereinbände in preiswerten Materialien (Bucheinbandgewebe Kaliko). Beschneidemaschinen, Vergolderpresse, Falz- und Heftmaschinen ersetzen unaufhaltsam die geübten Handgriffe traditioneller Buchbinder, häufig auf Kosten der Qualität.

William Morris/ Kelmscott-Press. Poems by the way.
William Morris/ Kelmscott-Press. Poems by the way.

Auch die Typographie und die Ausschmückung der Bücher mit Illustrationen und Ornamenten rief immer häufiger Kritik hervor. Das industriell gefertigte Buch zeichnete sich durch Stilunsicherheit, Überladenheit und geringe Haltbarkeit aus. Um dieser (Modell) Entwicklung etwas entgegenzusetzen, gründete der englische Reformer des Kunsthandwerks William Morris gegen Ende des 19. Jahrhunderts die erste Privatpresse, seine Kelmscott-Press. In Rückbesinnung auf handwerkliche und künstlerische Traditionen des Buchgewerbes versuchte Morris, die Prinzipien der Lesbarkeit, Schönheit und Dauerhaftigkeit des Buches zurückzugewinnen. Seine Bücher, die das Gutenberg-Museum alle besitzt, wirkten als Anregung auf viele andere Zeitgenossen. In der Nachfolge der Kelmscott-Press entstanden zahllose Privatpressen, deren Ziel bis heute ist, Qualität und Schönheit in der Buchproduktion zu bewahren.

 

Das 20. Jahrhundert


In Konkurrenz mit neuen Medien
Die Entwicklung des Buchgewerbes schritt im 20. Jahrhundert weiterhin rasant voran, allerdings mußte das Buch wie in keinem anderen Jahrhundert gegen andere Medien konkurrieren. Radio, Fernseher und Computer entwickelten sich, und so wurden Bücher schon oft totgesagt.

Offsetdruck
Meilensteine in der technischen Entwicklung sind im Tiefgeschoß des Museums zu sehen. Besonders erfolgreich war die Erfindung des Offsetdrucks, die gegen 1904 ausgereift war. Die meisten Drucke, die wir heute in Händen halten, sind in dieser Technik hergestellt (das Museum zeigt und benutzt eine »Heidelberger GTO« von 1985). Der Offsetdruck besticht neben einer hohen Druckgeschwindigkeit und der Möglichkeit, große Auflagen zu produzieren, durch eine sehr gute Wiedergabe von Illustrationen.

Die zweite Revolution ereignete sich in der Druckvorstufe. Beispielsweise mußte sich die Original-Druckgrafik seit dem Ausbau der fotografischen Reproduktion auf das Feld der künstlerischen Grafik zurückziehen und spielt heute praktisch keine Rolle mehr. Die Handsetzer verloren im 20. Jahrhundert sogar ihr traditionelles Berufsbild. Sie mußten Texte ab den 50er Jahren immer häufiger nicht in Blei setzen, sondern in Fotosatzmaschinen eingeben, um sie dann auf lichtempfindliches Material zu belichten.

Industrielle Buchfertigung
Doch auch Fotosatzgeräte wie die »Lumitype« von Higonnet und Moyroud (1946–1954 entwickelt) oder die »Diatype« von Hugo Heine (1952–1954 entwickelt) sind seit der Textverarbeitung via Computer Geschichte.
Klebebindungen statt fester, gehefteter Einbände waren ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zum Buch als Konsumgut, ebenso das Aufkommen der modernen Taschenbücher. Die schnelle Massenfabrikation ermöglichte, daß Bücher und damit Bildungsmöglichkeiten durch diese Maßnahmen nun wirklich für jedermann erschwinglich wurden.


Das Buch als Kunstwerk: Pressendrucke
Die Unterteilung der Buchproduktion in einen großen Teil billiger Massenware und einen kleinen Teil Qualitätsware entwickelte sich seit dem Anfang des 20. Jahrhunderts weiter. Beispiele hierzu zeigt das Museum in den obersten Etagen.
Privatpressen, die besonders auf Qualität achteten, erho-ben zunächst das Buch als »Gesamtkunstwerk« zu ihren Zielen.
Man versuchte also, keinen Arbeitsbereich zu vernachlässigen: weder Schriftwahl noch Satz, Druck, Illustration oder Einband. Hinzu kam eine Orientierung an dem Kunststil der Zeit, dem Jugendstil. Zur Förderung zeitgemäßer Kunst entstanden noch am Ende des 19. Jahrhunderts zahlreiche Zeitschriften. In Deutschland vor allem der »Pan« seit 1895, die »Jugend« ab 1896 – sie gab dem Stil den Namen – und »Die Insel« seit 1899.

Werbegrafik- Mit Kunst kunden werben. Alfons Maria Mucha (1860-1939)
Werbegrafik- Mit Kunst kunden werben. Alfons Maria Mucha (1860-1939): Plakat Bières de la Meuse/Anc. Caves du Roy- Sèvres. Chromolithographie, 141,5x89cm, signiert; um 1896/97; Gedruckt bei F. Champenois, Paris.

Jugendstil
Herausragende Schriftkünstler, wie Otto Eckmann und Rudolf Koch, und Illustratoren, wie Marcus Behmer oder Thomas Theodor Heine, kann das Gutenberg-Museum mit Beispielen zeigen. Auch der Bereich der Gebrauchsgrafik blühte, wie die abgebildeten Beispiele einer Einladungskarte von Franz von Stuck und eines Plakates von Alfons Maria Mucha dokumentieren.

Dem englischen Vorbild von William Morris folgend, wurde in Darmstadt 1907 die Ernst-Ludwig-Presse gegründet, als Teil der dortigen Künstlerkolonie. Es folgte die Janus-Presse in Leipzig (ebenfalls 1907), gegründet von Carl Ernst Poeschel und Walter Tiemann. Vorher arbeitete in Berlin schon die Steglitzer Werkstatt von Fritz Helmut Ehmcke, Friedrich W. Kleukens und Georg Belwe (seit 1901).
Bis heute ist die Tradition der »klassischen« Pressendrucke ungebrochen. Genannt seien stellvertretend die »Bremer Presse« (1911–1935), die »Cranach-Presse« von Harry Graf Kessler (1913–1933), die »Trajanus-Presse« (1951–1972) und die »Raamin-Presse« (seit 1973). Es gibt eine ganze Reihe zeitgenössischer, handwerklich ausgerichteter oder experimentell ausgerichteter Kleinverlage, deren Werke das Museum sammelt.


Vom Bauhaus zur visuellen Poesie
So bietet das Museum Drucke von Peter Behrens, dem »Bauhaus«, das mit dem Credo »Kunst und Technik – eine neue Einheit« die Abkehr von der Technikfeindlichkeit verkündete, und von El Lissitzky, der als russischer Konstruktivist ähnliche Ziele verfolgte. Für einen ganz anderen Ansatz stehen der Expressionismus und der Dadaismus, der mit Kurt Schwitters und der Zeitschrift »Dada« vertreten ist. Im Dadaismus gelten Form, Regeln oder Schönheit nichts.

V. O. Stomps
Nach dem Zweiten Weltkrieg streuten die Richtungen der Buchkunst noch weiter. Viele orientierten sich an dem Pressendrucker und Förderer junger Literatur Viktor Otto Stomps. Aus chronischem Geldmangel druckte er auf allem, was sich ihm bot und sei es mit abgenutzten Schriften auf Packpapier, wie im ausgestellten Exponat. Andere treten als Dichter, Buchkünstler und Buchgestalter in einer Person auf. So zu sehen an Ken Campbells »A Knife Romance« von 1988. Wieder andere nutzen die Buchform und den leeren Raum zwischen den Zeilen für ihre Aussage, wie in Helmut Löhrs »Visual Poetry« von 1987.

Bücher, die nicht zum Lesen sind
Die Gedanken über die Rolle des Buches in unserer Zeit animieren zahlreiche Künstler dazu, Bücher zu Objekten zu erheben, die das Lesen häufig verfremden oder verneinen. Das Museum hat auch einen Bestand an diesen "Buchobjekten", die derzeit aufgrund der Sonderausstellung im 3. OG allerdings nicht ausgestellt sind.


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Kontakt

Dr. Annette Ludwig
Direktorin des Gutenberg-Museums, Kuratorin für 19. und 20. Jahrhundert.
Tel: 06131 / 12 - 26 40
Fax: 06131 / 12 - 34 88
dr.annette.ludwig@stadt.mainz.de


 
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